Wohin sollen wir gehen?

Um es gleich klar zu machen: Die Frage dieses Eintrags, die oben im Thema steht: ”Wohin sollen wir gehen?”, hat auch eine -biblische- Antwort. Wir finden sie……..

…….im Evangelium des Johannes.

Der Abschnitt aus dem Johannesevangelium sei hier vorangestellt. Er erklärt sich zunächst von selbst. Wäre dies eine Predigt, so wären die “Worte des ewigen Lebens” und “der Heilige Gottes” zu erläutern. Nun ist dies keine Predigt und ich muss nicht in einfachen Worten den Sachverhalt erläutern. Aber, lieber Leser, wenn Du durchhältst, dann wirst Du merken: Es geht tatsächlich um das, was Worte des ewigen Lebens u.a. sind und wie wichtig sie sind. Die Heiligkeit Jesu habe ich wohl nicht, nein: kaum erklärt. Sie ist Voraussetzung.

Zunächst also die unmittelbare Antwort auf die Frage:

Da fragte Jesus die Zwölf: “Wollt ihr auch weggehen?” Da antwortete ihm Simon Petrus: “Herr, wohin sollen wir gehen?Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.”
(Joh, 6, 67-69)

Soweit das Glaubensbekenntnis des Simon Petrus. Er weiss ganz gewiss, dass es nur eine Wahrheit, nur einen Weg, nur ein wirkliches Leben gibt. Dafür ist Jesus Christus der Garant.

Wer nun durch das Internet surft, der begibt sich auf eine Weltreise der Antworten. Der “Wahrheiten”. Der Wege. Und des Lebens. Es gibt schier unendlich viele Blogs – wieviele Millionen mögen es wohl mittlerweile sein? Es gibt Websites über Katzen und Ferien, getunte Autos und Rattenpflege. Der Spruch “Es gibt nichts, was es nicht gibt” bewahrheitet sich auf’s Neue.

Und so gibt es auch eine Vielzahl von Glaubensgemeinschaften und Kirchen, die mittlerweile alle im Internet präsent sind. Nein, alle stimmt hier nicht: Es gibt unabhängige (alt)katholische Kirchen und Hausgemeinden, orthodoxe und bibeltreue Versammlungen, die sich dem Internet verweigern. Sie wissen: Internetseiten werden eben auch konsumiert, oberflächlich oder mit den Augen des Vorurteils gelesen (davon zeugen manche Kommentare auf Blogs, manche Diskussionsbeiträge auf Foren). Christentum ist aber nicht Polemik oder Werbung. Es ist ein schlichtes und einfaches Leben auf Gott zu. Zum Beten braucht man keinen Blog – er vermag vielleicht strategische Hilfe zu geben. Aber Beten muss man schon selber. Sich unter eine Kanzel setzen, Gottes Wort sagen lassen, mit der Gemeinde der versammelten Christen Jesus Christus im Sakrament des Altars begegnen – das kann man nicht im Internet.

Und die Leser eines Blogs sind mitnichten eine Internetgemeinde. Es sind einzelne, vereinzelte Leser irgendwo in dieser Welt vor ihrem Computer. Erst wenn sie zusammen kommen vor Kanzel und Altar, dann mag eine Gemeinde entstehen.

Einer Website nun kam ich auf die Spur, die eine bekenntnislutherische Gemeinde propagiert. Eine bekenntnislutherische Gemeinde? – mag der Leser dieser Zeilen fragen, was ist das? Nun, formal ist die Frage schnell geklärt. Das Bekenntnisluthertum hält an der Irrtumlosigkeit der Heiligen Schrift fest – gegen das modernistische Luthertum, welches sich zumeist in den Landeskirchen tummelt, die sich mit Recht nur noch evangelisch und nicht mehr evangelisch-lutherisch nennen – zu vielen Einflüssen sind sie unterlegen, über die Luther nur staunen und den Kopf schütteln. Die Heilige Schrift ist Gottes Wort – sie enthält es nicht nur. Das hat Luther auch so gesehen, daran hat er sich gerieben, so ist er theologisch vorgegangen. Seine Gegner in Rom haben das allerdings auch nicht angezweifelt. Dafür gab es keinen Anlass. Wenn die Heilige Schrift Mühe machte, so konnte man im Zweifelsfall die Tradition dagegen bemühen, notfalls eine Art theologischer Joker. Erst die Moderne seit der Aufklärung hat die Gottes(ehr)furcht verloren und sich zum Richter über Gottes Wort aufgespielt. (1 – Anmerkung 1; siehe unten auf dieser Seite)

Das Bekenntnisluthertum hält außerdem an den so genannten lutherischen Bekenntnisschriften fest. (2) Sie stammen keinesfalls alle aus der Feder Martins Luthers und sind auch nicht sein theologisches Testament. Auch wenn Luther wahrscheinlich der klügste Kopf seiner Zeit und von großer Frömmigkeit und Gottes(ehr)furcht geprägt war: Er war nicht (neuzeitlicher) Papst der Reformation. Es waren eine große Zahl von Theologen, die da unter mühsamen Ringen um Erkenntnis miteinander und durchaus auch gegeneinander die unerledigten Hausaufgaben der Kirche des Mittelalters bearbeiteten. Luther selber war übrigens alles andere als glücklich darüber, dass sein Name (und damit auch seine Person) benutzt wurde, um diese theologische Arbeit zu bezeichnen. Er sah sich als katholisch (im eigentlichen Sinne) an, wollte die Kirche nie verlassen geschweige denn eine neue Kirche gründen. Allerdings wurde er aus der Kirche von Rom hinausgeworfen – was blieb ihm da übrig, als seine Katholizität nun außerhalb der römisch-katholischen Kirche zu leben?

Dieser Zustand hat sich bis heute verfestigt und alle ökumenischen Bestrebungen um Wiedervereinigung sind bislang nicht zu Ziel gekommen. Da eröffnet sich zum einen die Frage, wie man heute als Christ verfährt, wenn man erkennt, dass seine eigene Kirche nicht die biblische Wahrheit predigt, sondern menschliche Philosophie. (3)

Einerseits gilt es sicherlich Röm 16,17 (”Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet.”) und parallelen Stellen zu folgen: Geistliche Gemeinschaft ist nicht möglich mit Menschen, die genau an diesem geistlichen Fundament ständig rütteln.

Im weltlichen Bereich ist das eindeutig: Wer etwa bei Opel arbeitet und sagt, Autos von Opel seien schlecht, der sollte sich besser einen anderen Arbeitsplatz suchen oder mindestens dafür sorgen, dass an seinem Arbeitsplatz Qualität produziert wird. Mindestens genau so dürfen wir erwarten, dass eine ev.-luth. Kirche sich nicht durch Totschweigen theologisch-ethischer Probleme wie der Homosexualität, theologischer Probleme wie das Verständnis der Heiligen Schrift als wahrhaftes Wort Gottes oder das Sich-Anpassen an staatliche Gehaltsregelungen beengen lässt. Wer sich evangelisch-lutherisch und dann noch frei oder selbstständig nennt, der bestimmt doch seinen Standort: evangelisch – dem Evangelium der guten Nachricht über Jesu Werk verpflichtet -; lutherisch – also dem Hochhalten der biblischen Aussagen durch die lutherischen Bekenntnisschriften folgt -; unabhängig oder frei oder selbstständig – also sich über die Unabhängigkeit vom Staat oder von menschlichen Anschauungen definierend.
Oder einfacher: Wo “ev.-luth.” draufsteht, muss auch “ev.-luth.” drin sein.

Und wenn das Gespräch über unklare Standpunkte nicht zu Resultaten führt, dann führt der Weg hinaus aus der Kirche und u.U. zur Gründung einer neuen Gemeinde. Für die ist genügend Platz in dieser Welt. (4)

Die oben genannte Website, die Anlass für diesen Beitrag war, formuliert dann so:
“Gewinnt falsche Lehre in meiner bisherigen Gemeinde oder Kirche die Herrschaft, so muss ich (will ich Gottes Wort gehorsam sein) diese Kirche verlassen und mich fortan zu einer solchen Gemeinde halten, die lutherisch lehrt – unabhängig davon, ob sie „lutherisch“ heißt oder nicht. Es ist nicht Gottes Wille, dass wir uns zu denen halten, die sein Wort verfälschen, Verfälscher unter sich dulden oder nach außen den Anschein erwecken, sie könnten zu ihrer geistlichen Erbauung ruhig auch einmal dorthin gehen, wo Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt wird. Warum nicht? Weil dort der Weg zur Seligkeit vernebelt und verdunkelt wird, weil dort Menschen durch den Anschein von Frömmigkeit statt zum Himmel in die Hölle gewiesen werden.”
Wo er (Pastor Blechschmidt, der Verfasser des Zitates) recht hat, hat er recht! Auch wenn es manchen nicht passt…

Was unsere Nahrung angeht, sind wir supergenau. Wir schauen auf die Kalorien, auf die Bestandteile, wir kaufen “bio”, weil besser.
In Bezug auf unsere geistliche Nahrung sollten wir es genau so genau nehmen. Wie gesagt: Wo Kirche draufsteht, sollte auch Kirche drin sein. Und nicht Verein der Gutmeinenden. Treffen der Gemütlichen. Treue zum Verein.

Das reicht Gott übrigens sicher nicht. Denn sonst hätte Jesus nicht kommen brauchen mit einer Predigt in Vollmacht. Mit Barmherzigkeit und Liebe. Und mit seinem Sterben am Kreuz und seiner glorreichen Auferstehung zu Ostern, mit der er uns hineinnehmen will in die Ewigkeit, in der es endlich keine Sünde mehr gibt.
Flaue oder falsche Predigt ist nicht egal; sie verdirbt den “geistlichen Magen”: sie führt uns nicht weg von uns und unserer Unvollkommenheit. Sie wiegt uns in falscher Sicherheit. Und die führt dann nicht zu Gott.
Also: besser die richtige Nahrung!

Eine Schlussbemerkung kann ich mir daraufhin nicht verkneifen. Ich erhalte immer wieder Bestätigung von auch von römisch-katholischen Christen, die offensichtlich dankbar für klare biblische Worte sind. So hatte ich vor einige Wochen in einem ökumenischen Gottesdienst nur die Möglichkeit, vier, fünf Sätze zu sagen, die auf Christus hinwiesen (es waren wirklich nicht mehr!). Gott gab mir ein, auf das Kreuz hinzuweisen: Am Kreuz Christ kommt niemand vorbei. Niemand. Eine Woche nach dem Gottesdienst wurde ich auf den Gottesdienst angesprochen: nicht auf die Publikums – freundliche Musik, nicht auf die angenehme Atmosphäre, sondern auf meine Wort zum Kreuz Jesu. Da war ich Gott sehr dankbar, dass er meine Gedanken so geleitet hatte. Ich war froh, dass ich so offen gesprochen hatte. Und ich war erstaunt: Die Bibel hat recht: ”Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft.” (1.Kor. 1, 18)

Und auch das stimmt: Woher soll Glauben kommen, wenn er nicht verkündigt wird?
“Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? ….Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. (Röm 10,14-17)

Und genau da sollten wir hingehen, wo Christus gepredigt wird: der Glauben an ihn, das Vertrauen in ihn. Da sollten wir hingehen, wo das Abendmahl so ausgeteilt wird, wie Jesus es gewollt hat: unter Brot und Wein der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christ, für uns zu Vergebung unserer Sünden gegeben.

Anmerkungen

(1) Die Irrtumslosigkeit von Gottes Wort zu propagieren ist übrigens nicht Fundamentalismus. Fundamentalisten lesen die Bibel wie ein Gesetz. Sie interpretieren sie auf einer Ebene, sie berücksichtigen weder den Zusammenhang im Gesamt noch die theologischen, historischen oder literarischen Durchformungen. Die Bibelstelle oben eignet sich nicht gut zur Illustration. Aber immerhin: Es ist zunächst das Bekenntnis des Petrus. Damit ist es noch nicht unser Bekenntnis, auch wenn wir es vor dem Kölner Dom laut schreien. Es ist Gottes Gnade an uns, wenn es zu unserem Bekenntnis wird. Wer nun meint, das bei Menschen erzwingen zu können: ein Nachplappern eigentlich, eine Lüge vielleicht sogar. Nun, emotional angeregt sprechen Menschen solche Sätze in Evangelisationen. Dann gehen sie nach Hause, am nächsten Tag habe sie alles vergessen. Wer aber von Gott die Erkenntnis geschenkt bekommen hat, dass es nur ein Ziel gibt: Jesus Christus, der wird das an keinem Tag seines Lebens mehr vergessen.)

(2) Um der brüderlichen Liebe willen sollte man sie nicht um spätere Bekenntnisse wie etwa die “Thesen zur kurzen Darlegung der Lehrstellung der Missourisynode” (Evangelisch-Lutherische Synode von Missouri, Ohio u.a. Staaten) 1932 oder “Dies glauben wir – Ein Glaubensbekenntnis der Ev. Lutherischen Wisconsinsynode” 1967 erweitern. Solche Schriften sind noch mehr als die Bekenntnisschriften in eine bestimmte Zeit hineingeschrieben. Treffen sie die Gegenwart inhaltlich wirklich? Zum einen entsteht so eine konfessionelle Sonderposition; zum anderen schüttelt man möglicherweise in fünfzig Jahren über so viel Eifer den Kopf.

(3) 1. So etwas ist nicht verwunderlich – man lese nur nach wie etwa die Piusbruderschaft ihre Priester ausbildet: Vor der Theologie steht die Philosophie, die Auslegung der biblischen Bücher wird laut Beschreibung nur gestreift. Sollte es nicht umgekehrt sein?

2. “Maria breit den Mantel aus” ist ein zutiefst anrührendes Lied. Es ist sehr menschlich. Aber ist es auch biblisch, d.h. Gottes Wort? Sollen wir Maria so konkret anrufen? Im Neuen Testament wird Jesus angerufen um Hilfe, im Alten Testament (etwa in den Psalmen) der (dreieinige) Gott. Und übrigens: Stürmen trotz der Christ und steckt nicht den Kopf weg! Nicht zuletzt Paulus hat das immer wieder vorgemacht, und auch Petrus, auch wenn er zum Nachgeben auf Druck neigte, hat letztlich standgehalten. Wäre es nicht so, wären beide wohl kaum den Märtyrertod gestorben!

1. Maria, breit den Mantel aus, /mach Schirm und Schild für uns daraus;
laß uns darunter sicher stehn, /bis alle Stürm vorübergehn.
Patronin voller Güte, /uns allezeit behüte.

2. Dein Mantel ist sehr weit und breit, /er deckt die ganze Christenheit,
er deckt die weite, weite Welt, /ist aller Zuflucht und Gezelt.
Patronin voller Güte, /uns allezeit behüte.

3. Maria, hilf der Christenheit, /dein Hilf erzeig uns allezeit;
komm uns zu Hilf in allem Streit, /verjagt die Feinde all von uns weit.
Patronin voller Güte, /uns allezeit behüte.

4. O Mutter der Barmherzigkeit, /den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahr /zu jeder Zeit in aller Gefahr.
Patronin voller Güte, /uns allezeit behüte.

3. Auch im Evangelischen Gesangbuch lassen sich – schöne – Lieder finden, deren Beziehung zur Bibel etwas “frei” ist.

(4) Kirche Jesu, das vergesse man nicht, ist nicht eine (und schon gar nicht die eine einzige römische) Institution, sondern Kirche ist da, wo Menschen tatsächlich Jesus hören und auf Jesus hören. Kirche ist da, wo die Predigt Christus in unser Leben bringt (und nicht die Weltanschauung eines Pastors) und die Sakramente (oder Mysterien) gemäß der Bibel (und das heißt übrigens gemäß der frühchristlichen Tradition) verwaltet werden.

 

Pfr Winfried S. Küttner, PhD

Erlöserkirchengemeinde Düsseldorf
Eichendorffstr. 7
40474 Düsseldorf

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