„Hast Du das gehört, Kalle?“ 

„Hast Du das gehört, Kalle?“ 

In der vergangenen Woche kam ich mit der Frau des Inhabers meiner Autoreparaturwerkstatt ins Gespräch. Wir kennen uns mittlerweile seit fast 30 Jahren. Sie und ihr Mann hatten ihre 40-jährige Tochter im vergangenen Jahr verloren. Nach einem psychisch so schwierigen Leben. Krebs.

Und nun war ich selbst ja aus dem Krankenhaus gekommen. Und da ging es nicht um eine Schönheitsoperation. Gott will mich wohl noch hier auf Erden haben.

Das war auch der Gesprächsanlass. Ich weiß gar nicht mehr, was ich im einzelnen gesagt hatte, irgendwie ging es darum, dass ich mein Leben nicht vergeudet habe, sondern dankbar auf erfüllte Tage zurückblicken kann und deshalb eben auch gehen könnte. Ich sah, dass die Worte sie erreichten. Das verrieten ihre Augen. „Sie haben eine christliche Einstellung, man merkt das“, sagte sie. Und sie meinte das positiv. 

Und dennoch – irgendwie erreichte das nicht. Sie hätte gerne gewollt – aber wie? „Das Christentum ist keine Religion“, sagte ich. Das andere da alles, was die Menschen so glauben und glauben wollen, das ist Religion. Da suchen die Menschen Gott – so sind wir geschaffen, dass wir ihn brauchen und ihn suchen. Aber man findet ihn nicht, indem man ein religiöses System erfindet. 

Er findet uns. Er sucht uns. Er will uns.  

Und das dürfen wir wissen. Das mit der Auferstehung, was wir in Wirklichkeit Ostern feiern, das ist unbegreiflich, weil es nie wieder nachher und auch nicht vorher passiert ist. Aber einmal ist es geschehen. Jesus Christus hat das vollbracht. Das Grab war wirklich leer – er ist auferstanden. Das ist die Gewissheit, der Beweis, wenn man so will: Das mit Christus ist alles wahr. 

„Sie sollen auf meiner Beerdigung sprechen“, sagt sie, an mich gewandt. Und zu ihrem Mann: „Hast Du das gehört, Kalle?“ Ich lachte. „Nun leben sie erst einmal. Das soll wohl noch Zeit haben.“ Vor der Beerdigung ist hoffentlich noch Zeit. Zeit genug sich von Gott finden zu lassen. Und ihm dann zu antworten. 

Die dickste Kartoffel

„Schmecken die?“ Ich stand am Kartoffelstand im Supermarkt. Ein mir gänzlich unbekannte Frau fragte mich. „Wissen Sie, wir kaufen sonst immer beim Bauern. Aber es ist so uselich draußen, Regen und Kälte, da haben wir keine Lust dahin zu fahren.“ Ich entgegne lachend: „Die hier sind auch vom Bauern!“ „Da hamse Recht,“ sagte sie und griente. „Wissen Sie was, machen sie doch…“ – Kartoffelpuffer -, wollte ich sagen, bremste mich aber. Das Wort versteht hier keiner. „Reibekuchen!!!“ fuhr ich fort. „Nee,“ sagte sie, da riecht die ganze Wohnung nach! Das kriescht man so schnell nitte heraus.“ Ihr Mann zog sachte weiter, so musste das Gespräch hier enden.

Aber es brachte wenigstens mich zum Nachdenken. Kartoffelpuffer oder Reibekuchen, eigentlich hier Rievekooche. Ein falsches, nein, ein unverständliches Wort – und du bist am Ende.   

„Ist es Gnade, die ich soll verstehen, Gnade, die mich alle Tage trägt?“ Das hatten wir im Gottesdienst gesungen. Verstanden alle, was die Gnade Gottes ist? Was sie ihn gekostet hat? „Gnade vor Recht ergehen lassen“ – ja, so hätten es die meisten Menschen gern. Sogar wissentlich sündigen, und dann soll Gott -, na „Schwamm drüber“, und alles ist gut. Es ist doch der liebe Gott!

Aber so ist es nicht. Gott bricht das Recht nicht. Sein Recht setzt er durch. Was wäre das für ein Gott, der je nach Gelegenheit und Lust und Laune sein Recht bricht? Für uns wäre das ein unerträglicher Wackelkandidat. Niemand wüßte, woran er bei Gott ist.

Aber so ist es nicht. Und wer wissentlich sündigt und dabei bleibt, auf den wartet nicht die Gnade, sondern ein Gericht, in dem er nicht bestehen wird. Dann wird er die Ewigkeit getrennt von Gott verbringen – wahrlich schlechte Aussichten!

In Jesus Christus, mit der Kreuzigung, da hat Gott sein Recht erfüllt. Christus hat unsere Schuld auf sich genommen und dafür sein Leben gegeben. Und deshalb gibt es Gnade für uns.  Das große Geschenk Gottes – wer sich auf Jesus Christus beruft, dem wird bedingungslos vergeben. Er für uns – und wir durch ihn. Er starb für uns, und wir kommen durch ihn durch das Gericht.

Ja, das Wort Gnade will erklärt sein, und das ist schwer genug. Die Worte gehen glatt über die Zunge – aber die Bedeutung, die muss man in seinem Leben erfahren, damit man sie versteht.

Wie so viele Worte und Sachverhalte der Heiligen Schrift. 

Vielleicht sehe ich die Frau ja noch einmal. Dann bekommt sie diesen Text von mir. Und dann werde ich fragen: „Verstehen Sie? Es geht nicht darum, ob es uns schmeckt. 

Die Kartoffeln kommen alle vom Bauern. Das Recht aber kommt von Gott. Die wirkliche Gnade kommt nur von ihm.

Wie immer wir es nennen, Kartoffelpuffer oder Rievekooche, es will ins Leben kommen und gegessen werden. Und uns fit machen. 

Und das möchte Gott mit seiner Gnade auch: In unser Leben kommen. Und uns fit machen. Für die Ewigkeit.