Der Dom, der keiner war

Nicht allzu weit entfernt von unserem Versammlungsort musste dieser Tage eine Kirche dem Braunkohletagebau weichen. Die Abrissbirne tat ihr Werk – und ein Haufen Steine blieb zurück.

Ein Aufschrei ging durch soziale Medien: „Wie kann man nur….!“ Zur Klärung veröffentliche katholisch.de einen Text, aus dem wir hier zitieren:

Eine Gemeinde füllt einen Sakralbau mit Leben, aber sie bedarf keines Kirchengebäudes. Sie ist vorrangig eine im eucharistischen Gottesdienst begründete Lebens- und Dienstgemeinschaft, die in ihrer Sozialstruktur, in ihrer Pluralität und Solidarität durch Jesus Christus begründet ist (vgl. 1 Korinther 12,12-27). Die Gemeinde ist das eigentliche, geistige Haus, in dem sich Christentum als Gemeinschaft ereignet: Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. (1 Petrus 2,5)

Da finden wir uns bereits wieder. Wir haben weder einen Dom noch einen „Dom“ noch eine Kirche. Aber wir sind Kirche: lebendige Steine im geistigen Haus Gottes.

Der Leib Christi ist nicht das Kirchengemäuer und die Aufgabe der Christen ist auch nicht der Denkmalschutz, sondern in Jesu Christi „Fußspuren zu wandeln“ (1 Petrus 2,21) und in Worten und Werken selbst Zeugen der Hoffnung zu sein (vgl. 1 Petrus 2,12).

Wir sind Leib Christi, mystischer Leib, wie man sagt, und wir wollen Jesus nachfolgen. Dabei sind wir uns bewußt, dass wir uns von allen anderen Menschen in nichts unterscheiden. Aber Christus macht für uns den Unterschied. Er gibt uns Sinn im Leben, er weist die Richtung, die wir einschlagen sollen. Er ebnet uns den Weg, der zu Gott führt: Er vergibt uns unsere Sünden.  Er allein ermöglicht erst, dass wir am Ziel ankommen.

Das allein ist wichtig. Selbst die allerherzlichste Kirche ist dem untergeordnet.

Ja, alte Kirchen sind schön und können als Zeugen einer glorreichen Vergangenheit angesehen werden. Architektonisch sind manche gar in Stein gemeißelte Theologie, aber sie bleiben doch eben nur dies: kalte Steine. Ja, die Profanierung einer Kirche und gar ihr Abriss sind ein Messerstich in das Herz der Ortsgemeinde; Vertrautes geht verloren – aber das ist der Lauf der Zeit. Bereits die biblische Geschichte zeigt, dass von Gottes Tempeln am Ende nichts oder nur Schutt übrig bleibt. Das Seelenheil der Christen wird nicht durch eine Abrissbirne entschieden, sondern in der gemeinsamen Nachfolge dessen, der selbst kein Haus gebaut hat.

Ach ja, ich schrieb ja als Titel: Der Dom, der keiner war. Ein Dom ist eine Bischofskirche. Und das war die abgerissene Kirche nicht. Zwei Türme machen noch keinen Dom, auch die Größe macht es nicht. Es gibt auch kleine Kathedralen, einfache Kirchen – und sie sind doch Bischofssitze. Ob Bischöfe in Asien immer große Kathedralen haben….?

Aber welche Rolle spielt das? Auch ein Bischof sollte auf Christus weisen. Und wenn er das Heilige Abendmahl verwaltet, ob im Dom oder in einer Dorfkapelle, dann unterscheidet sich das in nichts vom Tun eines gewöhnlichen Priesters. Denn es ist Jesus selber, der im Abendmahl handelt. Und das hat er unabhängig vom Ort zugesagt. Ob Dom oder Kirche, Kapelle oder Wohnzimmer: „Nimm hin und iß, das ist der Leib unseres Herrn Jesus Christus, für dich dahingegeben in den Tod; der stärke und bewahre dich im Glauben zum ewigen Leben.“

Zitate aus Dr. Till Magnus Steiner, Heiligtümer kommen und gehen, katholisch.de am 24.01.2018

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