Zur Osternacht

Predigttext: 1. Mose (Genesis) 15, 1-8

 

(Pastor:) Christus, der Herr ist auferstanden – (Gemeinde, spontan): Er ist wahrhaftig auferstanden!)

Das funktioniert – wir haben das nicht lange geübt, so stark ist diese Tradition bei uns nicht, und doch sagen wir das Unvernünftige, das, was den Glauben an den großen Gott, der das Unmögliche möglich machen kann, begründet; das sagen wir mit lauter Stimme:

Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Es ist unsere Hoffnung und unser Fundament, es ist das der Satz, an dem alles hängt, der Satz, der auch alles verändert hat: Siehe ich mache alles neu!  (Off 21,5)

Ostern wird historisch – diese Werbung las ich. Ob die Menschen den der Werbung keine Erfindung der Menschen. Christus ist auch nicht auferstanden in den Gedanken der Menschen, wie man in einigen Kirchen leider hören kann und muss.

Nein, das  bestbezeugt, und so ist es schlicht und ergreifend wahr:

Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Und das ist der Sieg über Sünde, Teufel und Tod. Und den Teufel, den lassen wir hier nicht weg, wie es ein Kirchenführer getan hat. Wir stellen uns ihn auch nicht vor – das führt nur zu Unsinn. Letztlich verharmlost die Bildlichkeit sogar den Gemeinten. Aber dass der Böse, der Durcheinanderwürfler  wirkt, das erfahren wir täglich neu. Wir erfahren es in unserem Leben, im Leben der Menschen. Wenn in den letzten Tag offiziell 88 Christen in Ägypten getötet, ermordet worden sind, dann ist das sicher nicht von Gott. Dass Menschen mitten im Gottesdienst angegriffen werden, wie an Palmsonntag in Ägypten geschehen – böse ist das, teuflisch.

Das wäre doch etwas, jetzt gegen diese Attentäter kämpfen, gegen diese Moslems! Nein, das wäre nichts, sie sind Verirrte, Verblendete. und wenn wir dagegen angehen, dann, indem wir die Wahrheit entgegenrufen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, das hat Jesus gesagt, und er hat es gezeigt, dass er das Leben ist, denn Ostern, als der Widersacher denken konnte:““Jetzt habe ich ihn besiegt, alles gehört mir,“ da war das Grab plötzlich leer: Der Herr ist auferstanden, und das Leben, das Leben in ihm hat den Sieg davon getragen über Sünde, Tod und Teufel.

Unsere koptischen Mitchristen, junge Männer allzumal, die bestimmt austeilen könnten, wenn es sein muss: Sie sind nicht auf die Moslems losgegangen, sie haben stattdessen das uns bekannte Nicänische Glaubensbekenntnis rezitiert:

Ich glaube and Jesus Christus, Gottes eingebornen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist, welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit vom Himmel gekommen und leibhaft geworden durch Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden, auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tag auferstanden nach der Schrift.

Wer so handelt und redet, der ist gewiss, dass es Gott ist, der Allmächtig ist, und niemand sonst! Das Gott das Heft des Handelns in der Hand hat, dass der Sieg und damit die Zukunft bei ihm liegt und nirgends sonst.

Und den von den Bolschewisten in der Lubjanka, des zentralen Gefängnisses des Geheimdienstes geschundene und gemarterte Tichon, der erste Patriarch von Moskau nach der russischen Revolution, den haben sie am Ostermorgen vor die Gläubigen gezerrt, Hunderte und Aberhunderte, und er sollte verkünden: Geht nach Hause, die Kirche ist aus, es gibt Gott nicht.

Vollgepumpt mit Medizin war er, sein Wille sollte gebrochen sein, kaum konnte er sich aufrecht halten.

Das steht er nun, es ist plötzlich mucksmäuschenstill auf dem Platz vor der Kathedrale des seligen Basilius, mühsam sucht er die Konzentration, dann geht es ihm über die Zunge, drei Worte nur:

Der Herr ist auferstanden. Und aus der Menge vor ihm, den angeblich neuen kommunistischen Menschen,  da braust es zurück: Er ist wahrhaftig auferstanden!

Da wussten die Kommunisten, dass sie in diesem Moment, dem so sorgfältig vorbereiteten, verloren hatten. Heute wissen wir, dass sie vor gut zwei Jahrzehnten endgültig verloren haben. Denn jedes Osterfest braust es um die ganze Welt: Christus ist auferstanden. Jahr für Jahr. Seit fast 2000 Jahren. Aber die kommunistische Internationale ist in Russland ganz leise geworden. Und die Sowjetunion gibt es auch nicht mehr.

Und wenn die Kopten in Ägypten in diesem Jahr auf große Ostergottesdienste verzichten, dann tun sie das, um keine Angriffsfläche für neues Blutvergießen zu bilden. Ihr Bekenntnis bleibt davon unbeeindruckt.

Tichon musste seine Beharrlichkeit des Glaubens letztlich mit dem Tod bezahlen, wie Tausende und abermals Tausende von Gläubigen, die 1922 einfach erschossen wurden. 1925 wurde Tichon vergiftet. Seine Leiche verschwand – niemand kannte ihren Aufenthaltsort. Vor ein paar Jahren hat man die Gebeine wiedergefunden, in den Tiefen der Keller des Donskoi-Klosters, seinem Wohnort.

Da hat Gott auch das in Ordnung gebracht. Nun ist Tichon würdig beigesetzt. Nun gibt es einen Ort der Verehrung dieses Märtyrers und Bekenners Jesu Christi, des Bekenners von Christi Auferstehung.

Natürlich, ich mache mir da nichts vor und male keine verlogenen Bilder: Dieses Märtyrertums ist schrecklich gewesen, genau wie das vieler Christen vor ihm und von noch mehr Christen nach ihm. Wer will das schon? Heute leben wir lange, und wir halten am Leben fest. Dass nicht nur der Apostel Paulus das anderes gesehen hat, darauf will ich nicht zu sprechen kommen. Heute nicht. Heute dürfen wir jubeln über Christi Auferstehung und unendlich froh sein.

Alles will hell und Licht sein, wir wenden Gott zu, himmelwärts, wir beten ihn an, singen ihm zu und drehen in den Liedern staunend das Wunder der Osternacht wie einen Brillanten zwischen den Fingern: Christ ist erstanden von der Marter alle.

Eigenartig in diesem Zusammenhang ist da der Predigttext, noch eigenartiger, wenn man die ganze Stelle aus dem ersten Buch Mose liest:

Bald nachdem Abram Melchisedek, dem Prototyp des Priestertums Jesu, begegnet war und ihn anerkannt hatte, hat er ein Gesicht – eine Vision. Danach gibt es eine zweite Vision, die die erste Vision in die Zukunft verlängert und sie bestätigt. Diese zweite Vision liest sich wie ein Film, aber es ist nicht nur farbig und spannend, es ist auch gruselig und verunsichernd, wie da etwa drei Huftiere und zwei Tauben geopfert werden sollen. Aber wer denkt bei der Zahl drei der Huftiere nicht an die Trinität Gottes? Der dreieinige Gott redet zu Abram, und zu seinem Schutz „fiel ein tiefer Schlaf auf Abram“; und siehe, „Schrecken und große Finsternis überfiel ihn“: das Erschrecken über die Anwesenheit und die Macht Gottes.

Das geschieht in der Dämmerung, und die Dämmerung ist kurz im Orient. Schon wird es stockfinster, finster wie auch in der Osternacht, aber auch diese Nacht verkündet etwas, und vor Abrams Augen fährt eine prasselnde Feuerflamme zwischen den nunmehr zerteilten Tieren: Zeichen nicht nur für die Anwesenheit Gottes, sondern auch gemäß dem Brauch der Zeit Zeichen dafür, dass Gott mit Abram einen Bund schließt.  Denn man stellte sich zum Schließen eines Bundes zwischen die geschlachteten Tiere.

Abram selber braucht nicht zwischen den Tieren sein, nicht für den Bund einstehen. Gott weiss um seine und auch unsere Schwäche, die in dem Wort Sünde geborgen ist: Auch wenn wir den Bund bejahen – wir schaffen es nicht, Gott absolut treu zu sein. Sowie Gott Abram sagt: „Fürchte dich nicht Abram! Ich bin dein Schild,“ so hat er auch uns das Gleiche in der Taufe zugesagt. Und da ist es sicherer, wenn der Bund von Gottes Seite her absichert ist – und nicht wankt. Im Gegensatz zu unseren Launen, Gemütszuständen, Gefühlen. Und der Taufbund ist sein Bund mit uns, mit dir, mit mir, es ist nicht, wie einige das verdrehen, unser Bund mit Gott, wie soll das auch gehen…das hätte doch keinen Bestand…

Schon zu Beginn dieses Bundes muss Gott etwas zurechtrücken. Abram gleicht einem ganz modernern Menschen, so ein Rationaler und Zweifler – Wie kann Gott Abram eine Zukunft versprechen, wo er doch keine Zukunft hat, da er kinderlos ist?

Aber dann kommt Gottes wunderschöne Antwort, und wer einmal nachts unter einen wirklichen Sternenhimmel gestanden hat, nicht einem dauerdiesigen wie hier in Mönchengladbach, sondern einem ganz klaren wie früher, der mag ihr ihre Poesie abspüren:

Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Siehe gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? und sprach zu ihm: Also soll dein Same werden.

Mehr Nachfahren, als er zählen, als er begreifen kann.

Nein, Abram kehrt nicht zurück zu seinem Zweifel. Jetzt nicht.

Gott ist ihm stark, zu stark die Wahrheit. Abram vertraut Gott, wie es heißt:

Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.

Es blieb ihm ja auch nichts anderes übrig, könnte man sagen. Ich bin dein sehr großer Lohn, hatte Gott besagt. Nicht: Ich gebe Dir einen sehr großen Lohn. Gott ist sein Lohn. In Gott findet Abram alles, und das glaubt er ihm. Und damit – schon und allein – kann er vor Gott bestehen. Dazu benötigt er kein Tiefopfer, die drei Huftiere nicht, keine Tauben, auch kein Opferlamm. Das brauchen wir ja auch nicht mehr Gott darzubringen.

Das hat Christus für uns geklärt. Durch das Opfer seines Leidens und Sterbens am Kreuz.

Unsere Antwort auf die Frage nach dem Opfer, nach unserer Gabe als Antwort auf Gottes Gabe, die hat Paul Gerhard so unnachahmlich ausgedrückt:

Lasset uns singen, / dem Schöpfer bringen

Güter und Gaben; / was wir nur haben,

alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!

Die besten Güter / sind unsre Gemüter;

dankbare Lieder / sind Weihrauch und Widder,

an welchen er sich am meisten ergötzt.

„Was wir nur haben, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!“ So sei es!

Und der Same, die Nachkommenschaft Abrams, wer ist das dann bitte? Wir? Ja, aber nicht biologisch, sondern durch Christus, wie Paulus das gesagt hat, aufgepfropft.

Wir, die wir vom Evangelium Christ ergriffen worden sind, von der frohen und frohmachenden Botschaft, die auch die Taufe verkündet, wir, die wir in Christus glauben, wir, die wir getauft sind und nun zu Gott gehören.

Der Kirchenvater Cyprian von Karthago weist uns auf den Galaterbrief K 3,6f:  Gleichwie Abraham hat Gott geglaubt und es ist ihm gerechnet zur Gerechtigkeit. So erkennet ihr ja, daß, die des Glaubens sind, das sind Abrahams Kinder.“ Interessant übrigens, wie selbstverständlich er die Schrift mit der Schrift auslegt, ganz im Sinne von Sola scriptura: Die Heilige Schrift allein ist Gottes Wort.

Der Kirchenvater Origenes wiederum hat das so gesagt: „Der Same Abrahams, das ist der Same des Wortes, welches die Predigt des Evangeliums und der Glaube in Christus ist.“

Durch sein Wort bewegt Gott – immer noch. Menschen glauben, vertrauen ihm:Sie haben sein Wort gehört, seinen Trost, sein Evangelium.

Und im Zentrum dieses Evangeliums steht die Kampfansage an das Böse, „Christus ist auferstanden“, und das will Gottes Tun sein, wie es das schon war damals, unbegreiflich vielleicht für uns wie damals für Abram der Bund und die Verheißung, aber wirkmächtig wie sonst nichts in dieser Welt – so wie die Kopten und wir bekennen:

Anastasis und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten, dessen Reich kein Ende haben wird. 

Amen.

Nach diesen Geschichten begab sich’s, daß zu Abram geschah das Wort des HERRN im Gesicht und sprach: Fürchte dich nicht Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn. Abram sprach aber: HERR HERR, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder; und dieser Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen. Und Abram sprach weiter: Mir hast du keinen Samen gegeben; und siehe, einer von meinem Gesinde soll mein Erbe sein. Und siehe, der HERR sprach zu ihm: Er soll nicht dein Erbe sein; sondern der von deinem Leib kommen wird, der soll dein Erbe sein. Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Siehe gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? und sprach zu ihm: Also soll dein Same werden. Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. (1 Mose 15:1-18 Luther Bibel 1545)

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