Vaterunser

Eine lebhafte Diskussion hat Papst Franziskus angestoßen. Die Bitte des Vaterunsers „…und führe uns nicht in Versuchung…“ sei nicht richtig übersetzt. Und Franz Alt, die Möchte-gern-Kompetenz der Theologie, setzt noch einen

lutherKKdrauf: Die Hälfte aller Jesusworte seien falsch übersetzt (hier).

Hingegen wehrt sich beispielsweise der Mainzer Bischof Kohlgraf dagegen, Übersetzungen anzufertigen, die keine Übersetzungen sind (hier). So wohltuend seine Darlegungen sind – zumindest an einer Stelle wird es schwierig. Wenn er schreibt “ Es sei aber der Geist Gottes selbst, der Jesus in die Situation führe, sich für oder gegen den Vater entscheiden zu müssen,“ dann klingen für manche bekannte Töne an: Der Mensch kann sich gegen oder für Gott entscheiden (und sich im letzteren Fall taufen lassen).

Doppelt falsch. Denn das kann der Mensch nicht. Das kann er ebensowenig wie aus der Schöpfung herausfallen und in ein anderes Universum jenseits unseres Universum schreiten. Was ein Mensch kann, ist die Liebe Gottes abzulehnen. Zu negieren. Auf sie nicht zu reagieren. Aber er bleibt ein Geschöpf Gottes.

Auch Jesus kann sich nicht gegen den Vater entscheiden. Allerdings aus einem anderen Grund. Damit würde er den dreieinigen Gott sprengen. Oder sich selber. Denn Jesus war wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich (mehr hier). Unterteilt und untrennbar. Sicher, der Teufel hätte genau das gern gehabt: über die Versuchung Gott sich selber erledigen zu lassen. Aber es hat nicht funktioniert. Das kann es nicht und wird es nie.

Auf die Behauptung des Herrn Alt  ist zu antworten:

Es ist alles richtig übersetzt. Es möchte aber auch richtig verstanden werden. Ein jeglicher Text möchte ausgelegt werden. Die eigene Meinung zum Maßstab zu machen und etwas hineinzulegen ist nicht nur unredlich. Es ist falsch.

Allen kann man antworten:

Ihr hättet besser Martin Luther nicht verworfen. Denn er erklärt genau dass, was euch Probleme macht, und er schreibt so, wie ihr nun formuliert:

Die sechste Bitte:
Und führe uns nicht in Versuchung.

Was ist das?
Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.“

Die siebente Bitte:
Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet, dass uns der Vater im Himmel vom Bösen und allem Übel an Leib und Seele, Gut und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich nehme in den Himmel.

(Kleiner Katechismus Martin Luthers, Drittes Hauptstück. Mehr hier.)

Kürzer und besser kann man es nicht sagen. Und damit erübrigt sich die ganze Diskussion. Und es zeigt sich, wie unsinnig das blinde Wüten gegen Luther, das einige immer noch praktizieren, war und ist.

Nicht erübrigt sich, dass wir auch das Vaterunser andächtig beten. Und zwar nicht nur, falls es uns einmal alle Jubeljahr in einen Gottesdienst verschlägt. Sondern täglich. So haben es auch die ersten Christen gehalten. Sie haben es sogar mehrmals täglich gebetet.

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