Die dickste Kartoffel

„Schmecken die?“ Ich stand am Kartoffelstand im Supermarkt. Ein mir gänzlich unbekannte Frau fragte mich. „Wissen Sie, wir kaufen sonst immer beim Bauern. Aber es ist so uselich draußen, Regen und Kälte, da haben wir keine Lust dahin zu fahren.“ Ich entgegne lachend: „Die hier sind auch vom Bauern!“ „Da hamse Recht,“ sagte sie und griente. „Wissen Sie was, machen sie doch…“ – Kartoffelpuffer -, wollte ich sagen, bremste mich aber. Das Wort versteht hier keiner. „Reibekuchen!!!“ fuhr ich fort. „Nee,“ sagte sie, da riecht die ganze Wohnung nach! Das kriescht man so schnell nitte heraus.“ Ihr Mann zog sachte weiter, so musste das Gespräch hier enden.

Aber es brachte wenigstens mich zum Nachdenken. Kartoffelpuffer oder Reibekuchen, eigentlich hier Rievekooche. Ein falsches, nein, ein unverständliches Wort – und du bist am Ende.   

„Ist es Gnade, die ich soll verstehen, Gnade, die mich alle Tage trägt?“ Das hatten wir im Gottesdienst gesungen. Verstanden alle, was die Gnade Gottes ist? Was sie ihn gekostet hat? „Gnade vor Recht ergehen lassen“ – ja, so hätten es die meisten Menschen gern. Sogar wissentlich sündigen, und dann soll Gott -, na „Schwamm drüber“, und alles ist gut. Es ist doch der liebe Gott!

Aber so ist es nicht. Gott bricht das Recht nicht. Sein Recht setzt er durch. Was wäre das für ein Gott, der je nach Gelegenheit und Lust und Laune sein Recht bricht? Für uns wäre das ein unerträglicher Wackelkandidat. Niemand wüßte, woran er bei Gott ist.

Aber so ist es nicht. Und wer wissentlich sündigt und dabei bleibt, auf den wartet nicht die Gnade, sondern ein Gericht, in dem er nicht bestehen wird. Dann wird er die Ewigkeit getrennt von Gott verbringen – wahrlich schlechte Aussichten!

In Jesus Christus, mit der Kreuzigung, da hat Gott sein Recht erfüllt. Christus hat unsere Schuld auf sich genommen und dafür sein Leben gegeben. Und deshalb gibt es Gnade für uns.  Das große Geschenk Gottes – wer sich auf Jesus Christus beruft, dem wird bedingungslos vergeben. Er für uns – und wir durch ihn. Er starb für uns, und wir kommen durch ihn durch das Gericht.

Ja, das Wort Gnade will erklärt sein, und das ist schwer genug. Die Worte gehen glatt über die Zunge – aber die Bedeutung, die muss man in seinem Leben erfahren, damit man sie versteht.

Wie so viele Worte und Sachverhalte der Heiligen Schrift. 

Vielleicht sehe ich die Frau ja noch einmal. Dann bekommt sie diesen Text von mir. Und dann werde ich fragen: „Verstehen Sie? Es geht nicht darum, ob es uns schmeckt. 

Die Kartoffeln kommen alle vom Bauern. Das Recht aber kommt von Gott. Die wirkliche Gnade kommt nur von ihm.

Wie immer wir es nennen, Kartoffelpuffer oder Rievekooche, es will ins Leben kommen und gegessen werden. Und uns fit machen. 

Und das möchte Gott mit seiner Gnade auch: In unser Leben kommen. Und uns fit machen. Für die Ewigkeit.

Key West – Insel und Schlüssel

Key West – am Kai (eigenes Archiv; Bildrechte: Winfried S. Küttner)

Das hier ist die Stelle, an der Schriftsteller und Journalist Ernest Hemingway so gern über das weite Meer geschaut haben soll. Auf Key West – die letzte einer Kette von Inseln, heute durch eine Straße miteinander verbunden, touristisch heimgesucht. 

Damals war es dort stiller, und Hemingway zog sich während einiger Jahre (ca 1928-1938) hierher zurück und fand neben Entspannung auch Kraft zum Arbeiten. „Das alte Mann und das Meer“ – der Titel des Kurzromans gibt ein wenig von ihm selbst preis.

Seine Kneipe gibt es noch – ich war dort, wollte alkoholfreies Bier und bekam fast grinsend zur Antwort: „So findet man aber keine neuen Freunde.“ 

Hemingsway hatte letztendlich im Alkohol einen tödlichen Freund. Wollte ich solche Freunde? Wohl eher nicht. Ich wollte wie Hemingway über das Meer schauen, das wir beide wie viele, viele Menschen schätzen. Es ist etwas Geheimnisvolles um das Meer.

Aber als ich da war, lag am Kai ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Das Foto gibt nicht her, wie groß es war: schon fast beängstigend. Gegen das Schiff war Hemingsways Boot Pilar nicht mehr als eine Nußschale. Und die Pilar war wahrlich kein Ruderboot!

Und mun: Die „Aida vita“ versperrte den Blick. Da war nichts Geheimnisvolles mehr zu erwarten. Diese riesige Tourismusmaschine bremste mich aus. Ich hätte wahrscheinlich in Key West übernachten müssen, bis der Blick wieder frei war. Aber dafür war keine Zeit.

Ein Sinnbild für das Leben wurde mir die Szene. Was alles will uns den Blick auf Gott versperren, auf das Geheimnisvolle des Glaubens. Was alles will das verhindern! Und eine Nacht darüber schlafen – das hilft nun schon überhaupt nicht. Der unwirkliche Glanz des gewaltigen Schiffes, der versprochene Luxus des Lebens an Bord – mit welchem Ziel? Zeit totschlagen?  Probleme verdrängen? Vor ihnen weglaufen? Vor dem Leben, vor Gott?

Der Blick des Menschen aber bleibt ein suchender: Wo ist das Geheimnisvolle, der so ferne Gott? 

Wie gut das doch ist: Wir brauchen keine Nacht zu warten, wir können uns direkt an Jesus Christus wenden: mit dem Gebet, unser Leben in seinem einzufangen, den Blick auf ihn frei zu machen. Gott hat sich zu uns begeben: Wir finden ihn in seinem Wort, der Heiligen Schrift. Und er kommt in jedem Abendmahl zu uns.

Welch’ eine Erleichterung und Freude, wenn nichts mehr zwischen ihm und mir ist: keine Mächte, die das Zusammenkommen verhindern wollen, keine Verfehlungen, die mich irr und blind für ihn machen. Er will alles wegräumen, den Blick frei machen: Nicht nur bis zum Kreuz von Golgatha, sondern weiter, viel weiter: über Ostern und Himmelfahrt bis zur Pforte der Ewigkeit. Was dann kommt, bleibt im Einzelnen tatsächlich geheimnisvoll. Bis auf eines: Himmel und Ewigkeit, das bedeutet: immer bei Gott. Da schiebt sich nichts mehr dazwischen, da kann nichts mehr versuchen, uns von der Liebe Gottes zu trennen, die in Jesus Christus ist.

Das Geschenk der grenzenlosen Freundlichkeit Gottes

Weihnachten! Nicht das Fest der Familie, aber für viele ein Fest in der Familie. Und trotz mancher Geschenkeflut: nicht das Fest der Geschenke.

Aber das Fest des Geschenkes schlechthin!

Weihnachten! Über das Geschenk Gottes an uns sinnen wir nach und halten inne von  „Das Geschenk der grenzenlosen Freundlichkeit Gottes“ weiterlesen

Vaterunser

Eine lebhafte Diskussion hat Papst Franziskus angestoßen. Die Bitte des Vaterunsers „…und führe uns nicht in Versuchung…“ sei nicht richtig übersetzt. Und Franz Alt, die Möchte-gern-Kompetenz der Theologie, setzt noch einen

lutherKK „Vaterunser“ weiterlesen